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Heinz Rogge)
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Samstag, 19. März 2011 Endspurt für die Stellungnahmen der Kirchengemeinden im Kreis an das Bistum
(Radio Kiepenkerl)
Kirchenvorstände, Pfarrgemeinderäte und Arbeitsgruppen im Kreis Coesfeld feilen im Endspurt an ihren Stellungnahme gegen die Pläne des Bistums Münster, Gemeinden zusammenzulegen. Die Gründe sind Priestermangel und weniger Mitglieder - wir haben ja hier bei Radio Kiepenkerl darüber berichtet. Bis Mittwoch müssen die Stellungnahme beim Bistum sein. Die Arbeitsgruppe der Gemeinde St. Benedikt in Herbern hat sich am Abend getroffen - mit dem Ergebnis: Sie brauchen noch Zeit. Klar ist: Bis Mittwoch soll beim Bistum in jedem Fall ein Brief vorliegen - mit knappen Worten wollen die Herberaner sagen, dass sie gegen eien Fusion sind. Eine ausführliche Stellungnahme möchten sie nachreichen. Der Aufschub ist dringend nötig, sagte heute morgen Heinz Wesselmann von der Arbeitsgruppe. Parallel sammelt die Gemeinde St. Benedikt noch Unterschriften. Bis Mittwoch liegen die Listen noch aus - unter anderem in Gaststätten, in Geschäften und kirchliche Vereine sind noch mit Listen unterwegs - zum Beispiel die katholische Frauengemeinschaft. Bislang sind gut 1500 Unterschriften zusammengekommen. Das zeige, wie groß der Widerstand ist. Die Gemeinde plant, den dicken Packen dem Generalvikar des Bistums möglichst schnell zu übergeben.

RN v. 23.03.11
Argumentationskatalog zum Erhalt der Pfarrgemeinde St. Benedikt
Anlässe des Bistums Münster für die „Fusionsvorgabe“
- Demografische Entwicklung
- Rückgang der Gottesdienstbesucherzahlen, Taufen …
- Rückläufige Zahl von Priestern und Hauptamtlichen
- Kirchenaustritte, strukturelles Defizit
Konsequenz des Bistums: priesterzentrierte XXL Pfarrgemeinden ,
Ein gemeindezentrierter Ansatz, wie ihn z.B. Prof. M. Lechner vorschlägt, wurde nicht bedacht bzw. umgesetzt.
Seine Erkenntnis: „Statt immer größere pastorale Einheiten um die weniger werdenden Priester zu organisieren, könnte man auch von der Gemeinde ausgehend … festlegen, welche räumlichen Strukturen dem Leben von Christengemeinden dienen.“ (vgl. im Heft März 2011 des Generalvikariats Münster „Unsere Seelsorge“). Diese von Laien – z.B. Pastoralreferenten/Innen – geleiteten Pfarrgemeinden sind nach kanonischem Recht, vgl. canon 515 §1 ff., ebenfalls zulässig. Die Kirchenrechtlerin Frau A. Goldt kommt daher in den „Kanzlei-Notizen“ im Aufsatz „Kirchenrecht und Gemeindefusionen“ 2010/07 zum Ergebnis: „Die Tatsache, dass es einen Priestermangel gibt, ist also aus sich heraus kein Grund eine Pfarrei zu schließen“ . Die Seelsorgeaufgaben müssen dann eben anders verteilt werden. Bei der Vermögensverwaltung, bei allen Rechtsgeschäften vertritt der Pfarrer die Pfarrei (can. 532). Es ist daher ein „verantwortlicher Pfarrer“ zu bestimmen, der „für mehrere Pfarreien zuständig sein kann…“
- Gemeinsame „Lebensebenen“ (Einkaufen, Helferstrukturen, gemeinsame Feste u.ä.) sind kaum vorhanden. Wir sind zwar seit 35 Jahren eine politische Gemeinde, haben uns aber in den o.a. Bereichen nicht aufeinander zu entwickelt.
- Es gibt keine gemeinsame Zeitung für alle drei Ortsteile. Viele Informationen sind so nur partiell vorhanden.
- Ein gemeinsames Vereinsleben findet nicht statt: Alle relevanten Vereine, Gruppen, Chöre … sind ortsbezogen.
- Die Schulsituation ist ebenfalls stark ortsbezogen: Je eine Grundschule vor Ort, Gymnasiasten aus Herbern fahren nach Werne, aus Ascheberg und Davensberg hauptsächlich nach Lüdinghausen. Die neu gegründete Profilschule könnte evtl. in Teilbereichen eine kleine Annäherung bringen.
- Die drei Pfarrgemeinden St. Benedikt, St. Lambertus und St. Anna sind weit voneinander entfernte Flächengemeinden (Gesamtausdehnung ca. 30km), die mit städtischen überhaupt nicht vergleichbar sind.
- Jede Pfarrgemeinde hat eine jahrhundertalte Historie und spezifische Entwicklungsgeschichte.
- „Man“ identifiziert sich mit „seinem“ Ort. „Man“ ist Bürger, man ist Heberaner, Ascheberger bzw. Davensberger. Hier steht man füreinander ein, hier hat man seinen Fußballverein, seinen Kegelklub, seine Stammkneipe, seine Altenstube …
- Hier lebt man in seiner christlichen Tradition. Hier werden die Kinder über die Familienzentren, Messdienerarbeit, katholische Grundschule, über Firmvorbereitung und Ferienlager an christliche Werte heran geführt. Immerhin drei Priester sind in den letzten Jahren aus dieser Gemeinde hervor gegangen.
- Die Zahl der Kirchenbesucher u. das Spendenaufkommen in St. Benedikt sind überdurchschnittlich
- Sechshundert Ehrenamtliche in Herbern (Zahl stammt von Pfarrer Kruse) sind Indiz dafür, dass wir es in Herbern mit einer intakten „Volkskirche“ zu tun haben.
- In wenigen Tagen hatten ca. 1500 Herberaner ihre Unterschrift unter die Forderung nach „weitestgehender Selbständigkeit“ gesetzt.
Gesprochen mit den Worten von Kardinal Lehmann:
„Die Pfarrei ist eine kostbare Errungenschaft unseres kirchlichen Lebens, die wir in allen Reformen nicht antasten, sondern zeitgemäß stärken wollen!“
oder Pastor Franken auf der Pfarrversammlung:
„Lasst doch jede Gemeinde das selber machen, was sie selber machen kann.“
Daraus ergibt sich:
- Die Forderung nach der größtmöglichen Eigenständigkeit unserer Pfarrgemeinde
- Ein „Gesicht vor Ort“, dies kann z.B. ein PastoralreferentIn sein, der von einem Weltpriester (zuständig für Kasualien: Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten) oder einem Emeritus … unterstützt wird.
- Der verantwortliche Pfarrer hat z.B. seinen Sitz in St. Lambertus Ascheberg. Uns ist bewusst, dass er nicht bei jeder Sitzung anwesend sein kann.
- Für die Verwaltungsvereinfachung ist eine Zusammenarbeit der drei Gemeinden notwendig, z.B. durch die Einstellung eines „Geschäftsführers“ für alle drei Gemeinden. Dies kann gemeinsam entwickelt und nicht repressiv bestimmt werden.


Argumentationskatalog zum Erhalt der Pfarrgemeinde St. Benedikt
Gründe des Bistums Münster für die Fusionierung von Pfarrgemeinden
- Demografische Entwicklung
- Rückgang der Gottesdienstbesucherzahlen, Taufen …
- Rückläufige Zahl von Priestern und Hauptamtlichen
- Kirchenaustritte, strukturelles Defizit
Konsequenz des Bistums: priesterzentrierte XXL Pfarrgemeinden,
Ein gemeindezentrierter Ansatz, wie ihn z.B. Prof. M. Lechner vorschlägt, wurde nicht bedacht bzw. umgesetzt.
Seine Erkenntnis: „Statt immer größere pastorale Einheiten um die weniger werdenden Priester zu organisieren, könnte man auch von der Gemeinde ausgehend … festlegen, welche räumlichen Strukturen dem Leben von Christengemeinden dienen.“ (vgl. im Heft März 2011 des Generalvikariats Münster „Unsere Seelsorge“). Diese von Laien – z.B. Pastoralreferenten/Innen – geleiteten Pfarrgemeinden sind nach kanonischem Recht, vgl. canon 515 §1 ff., ebenfalls zulässig. Die Kirchenrechtlerin Frau A. Goldt kommt daher in den „Kanzlei-Notizen“ im Aufsatz „Kirchenrecht und Gemeindefusionen“ 2010/07 zum Ergebnis: „Die Tatsache, dass es einen Priestermangel gibt, ist also aus sich heraus kein Grund eine Pfarrei zu schließen“. Die Seelsorgeaufgaben müssen dann eben anders verteilt werden. Bei der Vermögensverwaltung, bei allen Rechtsgeschäften vertritt der Pfarrer die Pfarrei (can. 532). Es ist daher ein „verantwortlicher Pfarrer“ zu bestimmen, der „für mehrere Pfarreien zuständig sein kann…“
1. Gemeinsamkeiten in den Lebensbereichen fehlen
- Wir sind zwar seit 35 Jahren eine politische Gemeinde, haben uns aber in den o.a. Bereichen nicht zueinander entwickelt. Das zeigt sich u. a. in den Einkaufsmöglichkeiten, den Festen, den Verkehrsverbindungen,….
- Es gibt keine gemeinsame Zeitung für alle drei Ortsteile. Viele Informationen sind so nur partiell vorhanden.
- Ein gemeinsames Vereinsleben findet nicht statt: Alle relevanten Vereine, Gruppen, Chöre … sind ortsbezogen.
- „Man“ identifiziert sich mit „seinem“ Ort. „Man“ ist Herberner, Ascheberger bzw. Davensberger. Hier steht man füreinander ein, hier hat man seinen Fußballverein, seinen Kegelklub, seine Stammkneipe, seine Altenstube, …
- Die Schulsituation ist ebenfalls stark ortsbezogen: Je eine Grundschule vor Ort, Gymnasiasten aus Herbern fahren nach Werne, aus Ascheberg und Davensberg hauptsächlich nach Lüdinghausen. Die neu gegründete Profilschule könnte evtl. in Teilbereichen eine kleine Annäherung bringen.
2. Gemeinsamkeiten in den kirchlichen Strukturen/im kirchlichen Milieu fehlen
- Die drei Pfarrgemeinden St. Benedikt, St. Lambertus und St. Anna sind weit voneinander entfernte Flächengemeinden (Gesamtausdehnung ca. 30km), die mit städtischen nicht vergleichbar sind.
- Jede Pfarrgemeinde hat eine jahrhundertalte Historie und spezifische Entwicklungsgeschichte.
- Hier lebt man in seiner christlichen Tradition. Hier werden die Kinder über die Familienzentren, katholischen Grundschulen, Katechesen (Erstkommunion, Firmvorbereitung) und Messdienerarbeit an das Glaubensleben der Pfarrgemeinde heran geführt. Immerhin drei Priester sind in den letzten Jahren aus der Gemeinde St. Benedikt hervorgegangen.
3. Die besonderen Stärken der Pfarrgemeinde gehen verloren
- Die Zahl der Kirchenbesucher und das Spendenaufkommen in St. Benedikt sind überdurchschnittlich.
- Sechshundert Ehrenamtliche in Herbern (lt. Pfarrer Kruse) sind Indiz dafür, dass wir es in Herbern mit einer intakten „Volkskirche“ zu tun haben.
- Durch die intakten Strukturen war es möglich, innerhalb von kürzester Zeit mehr als 1.600 Mitglieder der Pfarrgemeinde zu gewinnen, sich durch ihre Unterschrift für den weitgehenden Erhalt der Selbständigkeit der Pfarrgemeinde St. Benedikt einzusetzen.
- Der Bau des Pfarrheims der Pfarrgemeinde wurde von den Erlösen des jährlich stattfindenden Weihnachtsbasars mitfinanziert. Seitdem wird auch ein Teil der Unterhaltungskosten vom Erlös bestritten.
Fazit
Gesprochen mit den Worten von Kardinal Lehmann:
„Die Pfarrei ist eine kostbare Errungenschaft unseres kirchlichen Lebens, die wir in allen Reformen nicht antasten, sondern zeitgemäß stärken wollen!“
oder Pastor Franken auf der Pfarrversammlung:
„Lasst doch jede Gemeinde das selber machen, was sie selber machen kann.“
Oder die Deutsche Bischofskonferenz 2010:
„Den Pfarreien als Zellen gemeindlichen Lebens in der Kirche kommt dabei besondere Bedeutung zu. Die Gemeinden „vor Ort“ verkörpern das Wesen der Kirche im unmittelbaren Lebensraum der Menschen. Sie bilden eine Basis…
Die Gemeinden sind damit beauftragt, miteinander den Glauben praktisch werden zu lassen und ihn beständig zu leben, zu feiern und Zeugnis für ihn zu geben. Eine lebendige Gemeindepastoral lebt von vielfältigem haupt- und ehrenamtlichem Engagement und der konstruktiven Zusammenarbeit von Priestern und Laien. …“
Daraus ergibt sich:
- Die Forderung nach der größtmöglichen Eigenständigkeit unserer Pfarrgemeinde
- Ein „Gesicht vor Ort“, dies kann z.B. ein Pastoralreferent oder eine Pastoralreferentin sein, der/die von einem Weltpriester (zuständig für Kasualien: Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten), einem Subsidiar oder einem Emeritus unterstützt wird.
- Der verantwortliche Pfarrer hat z.B. seinen Sitz in St. Lambertus Ascheberg. Uns ist bewusst, dass er nicht bei jeder Sitzung der entsprechenden Gremien anwesend sein kann.
- Für die Verwaltungsvereinfachung ist eine Zusammenarbeit der drei Gemeinden notwendig, soweit diese nicht von der Zentralrendantur geleistet werden kann. Eine Arbeitsentlastung für den Pfarrer und die Gremien könnte z.B. durch die Einstellung eines „Geschäftsführers“ für alle drei Gemeinden erreicht werden. Ein entsprechendes Konzept kann gemeinsam entwickelt werden.
- Hält man an dem priesterzentrierten Ansatz fest, sind bei weiter zurückgehenden Priesterzahlen weitere Fusionen notwendig. (Sollen wir dann nach Lüdinghausen?) Um die Zukunft zu sichern, halten wir es für notwendig, (schon jetzt) die Basis vor Ort zu stärken.
- Eine Verzahnung und Zusammenarbeit der einzelnen Pfarrgemeinden ist in Teilbereichen durchaus sinnvoll und notwendig. Ein gutes Beispiel ist hier das Ferienlager der Jugendlichen in unserer Gemeinde, das wegen zu geringer Teilnehmerzahl auf Ortsebene nicht mehr stattfinden konnte; jetzt ist ein gemeinsames Lager der Pfarrgemeinden geplant.
Lasst die gewachsenen Pfarrgemeinden
Beim Thema „Neuordnung der Pfarrgemeinden“ ist augenblicklich das ganze Bistum Münster mehr oder minder geschockt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Neuordnungsdruck, der auf die Pfarrgemeinden ausgeübt wird, als gegeben und nicht verhandelbar hingenommen wird. Besonders Pfarrgemeinden mit einem gesunden Gemeindeleben sind gelinde gesagt verärgert. Folgen etwa unser Bischof und das Generalvikariat einem Programm, das von einer beratenden Firma vom Format R. Berger erarbeitet wurde und jetzt gnadenlos durchgepeitscht wird. Die Hektik, mit der der Zeitplan eingehalten werden soll, will schnell Fakten schaffen. Will man nur Synergieeffekte mit hohen Kostensenkungen ernten und nebenbei das Problem Priestermangel lösen?
Wenn wir über den Tellerrand schauen, sprich andere Bistümer ansehen, stellen wir fest, dass es auch anders geht; das Ruhrbistum aber ist kein Vorbild! Warum müssen über Jahrhunderte gewachsene Pfarrgemeinden ihre Identität aufgeben und mit anderen komplett fusionieren anstelle vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.
Lasst die gewachsenen Pfarrgemeinden, gebt ihr ein Gesicht vor Ort, denn Kardinal Lehmann sagte:“ Die Pfarrei ist eine kostbare Errungenschaft unseres kirchlichen Lebens, die wir in allen Reformen nicht antasten, sondern zeitgemäß stärken wollen.“
Josef Kemming
Schüttwall 30
59387 Ascheberg-Herbern
Tel. 02599 1055
RN v. 14.03.11
Bistum soll Kirche im Dorf lassen